Wenn der Geophon-Ausleger auf dem Acker südlich der Ems oder im Gewerbegebiet am Hafen ausgerollt wird und der erste Hammerschlag die Welle durch den Untergrund schickt, wissen wir: Jetzt entsteht ein Bild vom Baugrund, das keine Bohrung allein liefern kann. In Rheine arbeiten wir meist mit einer 24-Kanal-Apparatur und 4,5-Hz-Geophonen – solid genug für die sandigen Ausläufer der Westfälischen Bucht, sensibel genug für die verwitterten Kreideschichten, die hier in Tiefen ab acht Metern anstehen. Die seismische Tomographie kombiniert Refraktions- und Reflexionsdaten, sodass wir nicht nur Schichtgeschwindigkeiten, sondern auch Diskontinuitäten im Fels erkennen. Gerade in Hanglagen nahe dem Stadtwald oder entlang der alten Flussterrassen, wo der Schotter in unregelmäßigen Linsen liegt, lohnt sich der Blick ins seismische Profil – es zeigt, was der Rammkern verfehlt.
Refraktionsseismik zeigt nicht nur die Tiefe des Felshorizonts, sondern warnt vor Geschwindigkeitsinversionen, die auf weiche Einschaltungen im harten Kalk hindeuten – eine Falle für jede Flachgründung.
Technische Details zur Leistung in Rheine

Lokale geotechnische Bedingungen in Rheine
Ein Erweiterungsbau am Nordhang des Thiebergs – das Grundstück fällt um gut vier Meter ab, der Bauherr will eine Tiefgarage in den Hang schieben. Das Bohrprofil zeigt ab elf Metern festen Kalkmergel, der Baugrundgutachter rechnet mit einer konventionellen Flachgründung. Erst die seismische Tomographie deckt auf, dass die Felsoberkante in der Nordostecke auf sieben Meter hochzieht und dort eine verwitterte Kluftzone mit Geschwindigkeiten unter 900 m/s liegt – weich genug, um Setzungsdifferenzen in der Bodenplatte zu provozieren. Ohne das seismische Bild wäre die Tiefgarage genau auf dieser Schwächezone abgesetzt worden. Solche Überraschungen sind in Rheine nicht selten, denn die kreidezeitliche Landoberfläche ist während der Eiszeiten tiefgründig verkarstet und unregelmäßig erodiert worden. Die Seismik liefert den räumlichen Zusammenhang, den man mit Einzelaufschlüssen nie bekommt.
Unsere Leistungen
Die seismische Tomographie ist nie eine isolierte Messung, sondern Teil einer Erkundungskampagne, die wir auf die Fragestellung und den Baugrund in Rheine abstimmen:
Refraktionsseismik für Gründungsprojekte
Bestimmung der Felsoberkante und der Lagerungsdichte überlagernder Schichten mit P-Wellen-Refraktion. Typische Profillängen von 69 bis 138 Metern decken die meisten Bauflächen im Stadtgebiet ab.
Reflexionsseismik für Tiefenerkundung
Hochauflösende Reflexionsmessung zur Abbildung von Schichtgrenzen unterhalb der Refraktionsreichweite, etwa bei Tunnelvortrieben oder tiefen Baugruben im Emsmergel.
Seismische Tomographie (Kreuzloch)
Crosshole-Messungen zwischen Bohrungen zur hochpräzisen Geschwindigkeitskartierung, wenn die Oberflächenseismik durch Verkehrslärm oder Asphaltdecken eingeschränkt ist.
Fragen und Antworten
Ab welcher Erkundungstiefe lohnt sich Seismik in Rheine statt nur zu bohren?
Sobald die Felsoberkante oder eine steife Tragschicht in mehr als sechs Metern Tiefe erwartet wird und die laterale Variabilität hoch ist – typisch für die kreidezeitlichen Rücken im Stadtgebiet. Die Seismik ergänzt dann die Punktinformation der Bohrung durch ein durchgehendes Profil.
Kann die Seismik Hohlräume oder Karsterscheinungen im Kalkgestein erkennen?
Ja, tomographische Inversionsverfahren können Geschwindigkeitsanomalien auflösen, die auf verkarstete Zonen oder mit Lockermaterial gefüllte Dolinen hindeuten. In Rheine betrifft das vor allem die Oberkante des Kalkmergels, wo eiszeitliche Lösungsprozesse Taschen und Rinnen hinterlassen haben.
Welche Einschränkungen gibt es durch Verkehr oder Industrielärm in der Stadt?
Stark frequentierte Straßen wie die B70 oder der Rangierbetrieb am Bahnhof Rheine erzeugen niederfrequente Störsignale, die mit Standard-Geophonen eingefangen werden. Wir stapeln dann mehr Schläge pro Anregungspunkt und setzen in kritischen Abschnitten 10-Hz-Geophone ein, die den Verkehrsschall teilweise ausblenden.
Mit welchen Kosten muss ich für eine seismische Refraktionsmessung in Rheine rechnen?
Für ein typisches Profil mit 24 Geophonen und einer Auslage von 100 Metern liegen die Kosten je nach Zugänglichkeit und Störpegel zwischen €2.490 und €4.100. Der Preis beinhaltet Messkampagne, tomographische Inversion und einen berichtsfähigen Profilschnitt mit Schichtinterpretation. Mehr Info.